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einfach achtsam leben

Achtsamkeit – Ursprung und Effekte

„Die Kunst bewusst zu leben“ (Jon Kabat-Zinn)

Was ist Achtsamkeit?

Achtsamkeit ist eine jahrtausendealte buddhistische Praxis. Das altbewährte Wissen wird heute mit psychologischen und therapeutischen Ansätzen kombiniert und hat nichts mit Religion, Esoterik oder Dogmen zu tun.

Es geht darum präsent, aufmerksam und bewusst im gegenwärtigen Moment zu sein und das anzunehmen und zu akzeptieren, was gerade da ist – ohne es zu bewerten.

Gefühle, Sinneseindrücke, Körperwahrnehmungen und alles im Außen (Geräusche oder andere vermeintlich störende Faktoren) werden liebevoll, friedlich und mit Geduld betrachtet – ohne diese wegschieben oder mehr davon haben zu wollen.

Wir lernen Frieden zu machen, mit dem was ist, mit Neugier, Klarheit und Leichtigkeit zu beobachten und zu akzeptieren – ohne Verlangen oder Verdrängen.

Angenehmes vermehren und Unangenehmes vermeiden zu wollen führt nach diesem Ansatz zu einem mangelhaften Leben und Unzufriedenheit.

Der Duden hat viele wunderbare Synonyme für das Wort achtsam:

„andächtig, angespannt, aufmerksam, bei der Sache, ganz Ohr, gesammelt, konzentriert, mit offenen Augen, mit wachen Sinnen, wachsam, behutsam, mit Sorgfalt, mit Vorsicht, pfleglich, rücksichtsvoll, sachte, sanft, schonend, schonungsvoll, sorgfältig, umsichtig, voller Sorgfalt, vorsichtig; (gehoben) bedachtsam, sorgsam; (bildungssprachlich) delikat; (veraltet) sänftiglich“

…Achtsamkeit ist wirklich facettenreich!

Wenn wir damit anfangen Achtsamkeit in den Alltag zu bringen, merken wir, dass es gar nicht leicht ist für mehr als zwei Atemzüge präsent zu bleiben. Das Erkennen dessen ist schon der erste Schritt und umso wichtiger ist es, immer und immer wieder zu üben.
Achtsamkeit kann wie ein Muskel täglich trainiert werden.

Wie und warum wirkt Achtsamkeit?

Der Medizinprofessor Jon Kabat-Zin machte Ende der 1970er Jahre das Thema Achtsamkeit im Westen populär.
Er entwickelte an der Stress Reduction Clinic der Universität von Massachusetts in Worcester (USA) das MBSR – Programm (mindfulness based stress-reduction) und schob wichtige Forschungen im Bereich Achtsamkeit und Meditation an.

Stress ist nicht vermeidbar, es gibt unendlich viele Stressoren in unserem täglichen Leben (Lärm, Konflikte, Naturkatastrophen, Leistungsdruck, Schlafmangel…) doch wir können durch die Achtsamkeitspraxis lernen, gelassener mit solchen Situationen umzugehen und Frieden mit dem aktuellen Zustand zu schließen.

Einer meiner wundervollen Lehrer erklärt das immer ganz bildlich:

„Wir wollen die Wellen des Lebens nicht wegdrängen, daran würden wir kläglich scheitern!
Wir wollen lernen die Wellen des Lebens zu SURFEN!“

Achtsamkeit kann in jeder alltäglichen Handlung oder klassisch in der Meditation geübt werden und kann in schwierigen und stressigen Situationen sehr hilfreich sein.
Wir reagieren nicht sofort auf ein Ereignis oder eine schlechte Nachricht, sondern lernen genau zu beobachten, erstmal tief durchzuatmen und dann angemessen zu reagieren. 

Der Raum zwischen Aktion und Reaktion wird vergrößert. Jeder Stressor birgt eine Möglichkeit sich auszusuchen, wie wir im Leben reagieren wollen.
Dieser Aspekt zeigt so deutlich, dass wir tatsächlich nur in unserem Inneren etwas ändern können, um auch im Äußeren etwas zu bewirken.
Wir lernen uns und unsere Verhaltensmuster genau kennen und können prüfen, ob diese sinnvoll für unsere Lebensführung sind oder gar schädlich.

Die Praxis der Achtsamkeit ist mittlerweile ein großer Teil der Gesundheitspräventionen und wird als Unterstützung bei der Behandlung von Menschen mit psychischen Erkrankungen (Burn-Out, Depressionen) in Kliniken genutzt.

Dennoch ist eine regelmäßige Achtsamkeitspraxis weit mehr als Stressprävention und kann viel tiefere Dimensionen erreichen, Verbindung schaffen und Zufriedenheit wecken.

Freundlichkeit, Mitgefühl (zu sich und anderen), Nächstenliebe, Neugier und Mitfreude sowie Gleichmut sind nur einige Qualitäten, die sich aus einem achtsamen Leben ergeben.

Effekte eines achtsamen Lebens

Wenn wir uns dazu entscheiden ein Leben in Achtsamkeit zu führen, uns immer wieder darin zu üben, egal ob in täglicher Meditation, in der Kommunikation mit unserem Gegenüber oder in Alltagshandlungen, spüren wir schnell unterschiedlichste Effekte, die unser Leben positiv beeinflussen.

 

Verhalten gegenüber anderen und uns selbst

Unreflektierte Verhaltensmuster können mit regelmäßiger und konsequenter Achtsamkeitspraxis durchbrochen werden und zu mehr Klarheit und Harmonie führen.
Wir können durch die Achtsamkeit lernen nicht direkt zu reagieren, sondern erst wahrzunehmen was ist und uns dann bewusst dazu entscheiden WIE wir reagieren wollen.

Achtsamkeit sowie lieb und freundlich zueinander sein gehen Hand in Hand.

MINDFUL = KINDFUL

Mit Achtsamkeit lernen wir nicht nur eine harmonische Kommunikation mit unserem Gegenüber sondern wir lernen auch uns selbst wieder ein guter Freund zu sein.
Geduldig und mitfühlend mit uns zu sein fällt uns meist viel viel schwerer als es für andere zu sein.
In dem wir uns täglich ein paar Minuten Zeit für uns selbst gönnen, können Stressoren rechtzeitig erkannt werden und wir legen Pausen ein, noch bevor es zu viel wird und wir krank werden.
…der beste Beweis für Selbstliebe.

  • wieder Kontakt mit sich selbst und den eigenen Bedürfnissen bekommen
  • körperliche Warnsignale bei Stress schneller wahrnehmen
    (flacher Atem, Schmerzen und Verspannungen)
  • psychische und emotionale Stabilität, raus aus Gedankenspiralen und immer wieder kehrenden beschränkenden Verhaltensmustern
  • weniger ängstlich, unterstützend bei Depressionen
  • sich selbst so akzeptieren wie man ist (perfekte Imperfektion)
  • Entspannung, Gelassenheit und Impulskontrolle
  • Mitgefühl und Empathie werden geschult

 

Fokus und Konzentration

Durch die Achtsamkeitspraxis spüren wir schneller, wenn wir abdriften und können uns leichter zur Präsenz und zum eigentlichen Tun zurückholen, den Fokus schärfen und somit konzentrierter sein und klarer sehen.
Gegenteilig zum „Multi-Tasking“ tun wir Dinge mit unserer vollen Aufmerksamkeit und beruhigen damit gleichzeitig unseren Geist.

Auch für Unternehmen (egal ob Wirtschaft oder Gesundheit und Soziales) erhält das Thema Achtsamkeit zunehmend an Interesse und kann für Mitarbeiter*innen im oftmals stressigen Berufsalltag unterstützend sein.

  • weniger Krankheitstage dank Stressabbau
  • effektivere Arbeitsabläufe
  • Motivation und Spaß bei der Arbeit
  • ausgeglichene Kommunikation und Atmosphäre

Intensiver leben und sein

Jede Erfahrung kann zu einem Erlebnis werden, wenn wir es zulassen und Achtsamkeit einfließen lassen.
Durch gelebte Achtsamkeit üben wir uns jeden Tag darin alles mit Neugierde und Offenheit zu entdecken, den Anfängergeist zu bewahren (in jedem Anfang liegt ein Zauber inne…) und das Schöne in den kleinsten Dingen des Lebens zu entdecken.
Unser alltägliches Tun wird bereichert, wir fühlen uns wach und präsent, da wir nicht mehr nur auf Autopilot laufen.

  • Freude, innere Zufriedenheit werden gesehen und verstärkt wahrgenommen
  • Wertschätzung und Dankbarkeit für das, was bereits da ist
  • weniger Mangeldenken oder das Gefühl, dass uns etwas fehlt
  • Sinne werden geschärft
  • schmecken, riechen, fühlen, hören und sehen wird intensiver, gehaltvoller

„Gleiche Landschaft, neue Augen“ (Thich Nhat Hanh)

 

Toll, was Achtsamkeit alles kann, oder?
Also worauf warten? Leg los und hör dir vielleicht einfach mal diese Meditation hier an: meditation.

Melissa Würz

Sozialpädagogin (BA)
Yoga- & Meditationslehrerin

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